Abitur-Training: Extremwertaufgaben — Optimieren mit Nebenbedingung
Das größte Rechteck unter der Parabel
AFB I · ReproduzierenGegeben ist die in $\mathbb{R}$ definierte Funktion $f$ mit $f(x) = 9 - x^2$. Unter dem Graphen von $f$ liegt ein achsenparalleles Rechteck: Eine Seite liegt auf der $x$-Achse, die beiden oberen Ecken liegen auf dem Graphen. Wegen der Symmetrie hat es die Ecken $(-u \mid 0)$, $(u \mid 0)$, $(u \mid f(u))$ und $(-u \mid f(u))$. Gesucht ist das Rechteck mit dem größten Flächeninhalt.
- Berechnen Sie die Nullstellen von $f$ und begründen Sie, dass für $u$ nur Werte mit $0 < u < 3$ in Frage kommen.
- Zeigen Sie, dass für den Flächeninhalt $A(u) = 18 \cdot u - 2 \cdot u^3$ gilt.
- Bestimmen Sie die Stelle $u$, an der $A$ den größten Wert annimmt, und weisen Sie nach, dass dort tatsächlich ein Maximum vorliegt.
- Geben Sie Breite, Höhe und Flächeninhalt des größten Rechtecks an und vergleichen Sie mit dem gestrichelten Rechteck der Abbildung, für das $u = 2{,}5$ gilt.
Der Behälter mit dem geringsten Materialverbrauch
AFB II · Zusammenhänge herstellenEin oben offener Behälter mit quadratischer Grundfläche soll genau $4$ Liter, also $4000$ Kubikzentimeter, fassen. Die Grundkante misst $a$ Zentimeter, die Höhe $h$ Zentimeter. Für die Herstellung soll möglichst wenig Blech verbraucht werden, die Oberfläche des Behälters also möglichst klein sein. Die Dicke des Blechs bleibt unberücksichtigt.
- Stellen Sie die Nebenbedingung auf und zeigen Sie, dass für die Oberfläche $O(a) = a^2 + \dfrac{16000}{a}$ mit $a > 0$ gilt.
- Berechnen Sie die Maße des Behälters mit der kleinsten Oberfläche und weisen Sie nach, dass dort ein Minimum vorliegt.
- Begründen Sie, dass es sich um das absolute Minimum handelt, und vergleichen Sie mit einem würfelähnlichen Behälter, bei dem $a = h$ gilt.
- Zeigen Sie, dass die Höhe im Optimum stets halb so groß ist wie die Grundkante — unabhängig vom vorgegebenen Volumen $V$.
Das Kabel zur Messplattform
AFB III · Reflektieren und BeurteilenVon einem Verteilerkasten $V$ am geraden Ufer eines Sees soll die Messplattform $P$ mit Strom versorgt werden. $P$ liegt $40$ m vom Ufer entfernt; ihr Fußpunkt $F$ am Ufer ist $100$ m von $V$ entfernt. Das Kabel wird vom Verteilerkasten am Ufer entlang bis zu einem Punkt $S$ und von dort geradlinig durch den See zu $P$ verlegt. Ein Meter Landkabel kostet $30$ €, ein Meter Seekabel $50$ €. Mit $x$ wird der Abstand zwischen $S$ und $F$ in Metern bezeichnet.
- Zeigen Sie, dass die Gesamtkosten durch $K(x) = 3000 - 30 \cdot x + 50 \cdot \sqrt{x^2 + 1600}$ beschrieben werden, und geben Sie den sinnvollen Definitionsbereich an.
- Bestimmen Sie die kostengünstigste Lage von $S$ und die zugehörigen Kosten. Weisen Sie nach, dass es sich um das absolute Minimum handelt.
- Berechnen Sie die Mehrkosten der beiden naheliegenden Varianten: Kabel am Ufer bis $F$ und dann senkrecht hinaus, sowie Kabel auf kürzestem Weg direkt von $V$ nach $P$.
- Beurteilen Sie die Aussage: „Beim kostengünstigsten Verlauf sind die Kosten für das Landkabel und die Kosten für das Seekabel gleich groß.“
Lösungen
1 · Das größte Rechteck unter der Parabel
a) Aus $9 - x^2 = 0$ folgt $x^2 = 9$, also $x_1 = -3$ und $x_2 = 3$. Nur zwischen diesen beiden Stellen verläuft der Graph oberhalb der $x$-Achse. Für $u = 0$ fällt das Rechteck zu einer Strecke zusammen, für $u \geq 3$ ist $f(u) \leq 0$ und es entsteht kein Rechteck über der Achse. Sinnvoll ist also $0 < u < 3$.
b) Die obere rechte Ecke ist $(u \mid f(u))$, die obere linke $(-u \mid f(u))$. Das Rechteck ist damit $2 \cdot u$ breit und $f(u) = 9 - u^2$ hoch. Für den Flächeninhalt folgt $A(u) = 2 \cdot u \cdot \left(9 - u^2\right) = 18 \cdot u - 2 \cdot u^3$.
c) $A'(u) = 18 - 6 \cdot u^2 = 0$ liefert $u^2 = 3$, also $u = \sqrt{3} \approx 1{,}73$; die zweite Lösung $-\sqrt{3}$ liegt nicht im Definitionsbereich. Mit $A''(u) = -12 \cdot u$ ist $A''\left(\sqrt{3}\right) = -12 \cdot \sqrt{3} < 0$, dort liegt also ein Maximum. Wegen $A(0) = 0$ und $A(3) = 0$ ist es zugleich das absolute Maximum im Intervall.
d) Breite $2 \cdot \sqrt{3} \approx 3{,}46$, Höhe $f\left(\sqrt{3}\right) = 9 - 3 = 6$ und damit $A\left(\sqrt{3}\right) = 12 \cdot \sqrt{3} \approx 20{,}78$. Das gestrichelte Rechteck ist mit der Breite $5$ zwar deutlich breiter, aber nur $9 - 6{,}25 = 2{,}75$ hoch; sein Flächeninhalt beträgt $5 \cdot 2{,}75 = 13{,}75$ — rund ein Drittel weniger. Mehr Breite bringt hier also nicht mehr Fläche.
Gesucht ist das Maximum von $A$, nicht das von $f$. Wer $f'(x) = 0$ setzt, findet den Scheitel $(0 \mid 9)$ — die höchste Stelle der Kurve. Das zugehörige Rechteck hätte die Breite null und den Flächeninhalt null.
2 · Der Behälter mit dem geringsten Materialverbrauch
a) Nebenbedingung ist das vorgegebene Volumen: $V = a^2 \cdot h = 4000$, also $h = \dfrac{4000}{a^2}$. Weil der Behälter oben offen ist, besteht die Oberfläche aus dem Boden und vier Seitenwänden: $O = a^2 + 4 \cdot a \cdot h$. Einsetzen der Nebenbedingung liefert $O(a) = a^2 + 4 \cdot a \cdot \dfrac{4000}{a^2} = a^2 + \dfrac{16000}{a}$. Weil $a$ eine Länge ist und im Nenner steht, gilt $a > 0$.
b) $O'(a) = 2 \cdot a - \dfrac{16000}{a^2} = 0$ führt auf $2 \cdot a^3 = 16000$, also $a^3 = 8000$ und $a = 20$. Mit $O''(a) = 2 + \dfrac{32000}{a^3}$ ist $O''(20) = 2 + 4 = 6 > 0$, dort liegt also ein Minimum. Aus der Nebenbedingung folgt $h = \dfrac{4000}{400} = 10$. Der günstigste Behälter misst also $20$ cm mal $20$ cm in der Grundfläche bei $10$ cm Höhe; seine Oberfläche beträgt $O(20) = 400 + 800 = 1200$, also $1200$ Quadratzentimeter.
c) Der Definitionsbereich $a > 0$ ist offen, ein Randminimum kann es daher nicht geben: Für $a \to 0$ wächst $\dfrac{16000}{a}$ über alle Grenzen, für $a \to \infty$ wächst $a^2$ über alle Grenzen. Da $O$ dort stetig ist und mit $a = 20$ genau eine Stelle mit waagerechter Tangente besitzt, ist $O(20) = 1200$ das absolute Minimum. Zum Vergleich: Aus $a = h$ folgt $a^3 = 4000$, also $a \approx 15{,}87$ und $O = a^2 + 4 \cdot a^2 = 5 \cdot a^2 \approx 1260$ — der würfelähnliche Behälter braucht rund $5\,\%$ mehr Blech.
d) Allgemein ist $h = \dfrac{V}{a^2}$ und damit $O(a) = a^2 + \dfrac{4 \cdot V}{a}$. Aus $O'(a) = 2 \cdot a - \dfrac{4 \cdot V}{a^2} = 0$ folgt $2 \cdot a^3 = 4 \cdot V$, also $a^3 = 2 \cdot V$ beziehungsweise $V = \dfrac{a^3}{2}$. Eingesetzt: $h = \dfrac{V}{a^2} = \dfrac{a^3}{2 \cdot a^2} = \dfrac{a}{2}$. Im Optimum ist die Höhe also immer halb so groß wie die Grundkante, gleichgültig wie groß $V$ ist. Nebenbei folgt daraus $4 \cdot a \cdot h = 2 \cdot a^2$: Die vier Wände brauchen zusammen stets doppelt so viel Blech wie der Boden.
Die Nebenbedingung muss vor dem Ableiten eingesetzt werden. Wer $O = a^2 + 4 \cdot a \cdot h$ nach $a$ ableitet und $h$ dabei wie eine Konstante behandelt, erhält $2 \cdot a + 4 \cdot h = 0$ und damit die negative Kantenlänge $a = -2 \cdot h$. Die Höhe hängt eben von $a$ ab.
3 · Das Kabel zur Messplattform
a) Das Landkabel reicht von $V$ bis $S$, ist also $100 - x$ Meter lang und kostet $30 \cdot (100 - x) = 3000 - 30 \cdot x$ Euro. Das Seekabel verläuft von $S$ nach $P$; das Dreieck $SFP$ ist bei $F$ rechtwinklig, nach dem Satz des Pythagoras ist das Seekabel also $\sqrt{x^2 + 40^2} = \sqrt{x^2 + 1600}$ Meter lang und kostet $50 \cdot \sqrt{x^2 + 1600}$ Euro. Die Summe ergibt $K(x) = 3000 - 30 \cdot x + 50 \cdot \sqrt{x^2 + 1600}$. Der Punkt $S$ liegt zwischen $V$ und $F$, sinnvoll ist also $0 \leq x \leq 100$.
b) Mit der Kettenregel ist $K'(x) = -30 + \dfrac{50 \cdot x}{\sqrt{x^2 + 1600}}$. Aus $K'(x) = 0$ folgt $50 \cdot x = 30 \cdot \sqrt{x^2 + 1600}$, also nach Kürzen $5 \cdot x = 3 \cdot \sqrt{x^2 + 1600}$ und quadriert $25 \cdot x^2 = 9 \cdot x^2 + 14400$. Damit ist $16 \cdot x^2 = 14400$, $x^2 = 900$ und $x = 30$; die negative Lösung entfällt. Wegen $\sqrt{900 + 1600} = 50$ ist $K(30) = 30 \cdot 70 + 50 \cdot 50 = 2100 + 2500 = 4600$. Nachweis: $K''(x) = 80000 \cdot \left(x^2 + 1600\right)^{-\frac{3}{2}} > 0$ für alle $x$, der Graph von $K$ ist also überall linksgekrümmt und die einzige Stelle mit $K'(x) = 0$ ist das absolute Minimum. Die Randwerte bestätigen das: $K(0) = 5000$ und $K(100) \approx 5385{,}16$. Das Kabel wird also $70$ m am Ufer entlang geführt und dann $50$ m durch den See; die Kosten betragen $4600$ €.
c) Variante „bis $F$ und dann senkrecht hinaus“ bedeutet $x = 0$: $K(0) = 3000 + 50 \cdot 40 = 5000$ Euro, also $400$ € mehr. Variante „kürzester Weg“ bedeutet $x = 100$, das Kabel liegt dann vollständig im See: $K(100) = 50 \cdot \sqrt{10000 + 1600} = 50 \cdot \sqrt{11600} \approx 5385{,}16$ Euro, also rund $785$ € mehr. Der kürzeste Weg ist hier der teuerste — entscheidend ist nicht die Länge, sondern der Preis je Meter.
d) Die Aussage ist falsch. Im Optimum kostet das Landkabel $30 \cdot 70 = 2100$ € und das Seekabel $50 \cdot 50 = 2500$ €; die beiden Anteile unterscheiden sich um $400$ €. Gleich groß werden sie erst, wenn $3000 - 30 \cdot x = 50 \cdot \sqrt{x^2 + 1600}$ gilt, also bei $x \approx 23{,}05$ — dort betragen die Gesamtkosten rund $4616{,}80$ € und damit knapp $17$ € mehr als im Optimum. Was im Optimum übereinstimmt, sind nicht die Kosten, sondern ihre Änderungsraten: Aus $K'(30) = 0$ folgt, dass ein weiterer Meter am Ufer genau $30$ € spart und derselbe Meter im See genau $30$ € zusätzlich kostet. Solange die Ersparnis größer ist als der Zuwachs, lohnt sich das Verschieben von $S$; im Gleichgewicht stehen also die Grenzkosten, nicht die Beträge.
Die Wurzel wird mit der Kettenregel abgeleitet und nicht gliedweise vereinfacht: $\sqrt{x^2 + 1600}$ ist nicht $x + 40$. Wer so rechnet, erhält die lineare Funktion $5000 + 20 \cdot x$ ohne inneres Minimum und landet zwangsläufig am Rand.