Abitur-Training: Modellieren — Steckbrief und Übergang ohne Knick
Gesucht per Steckbrief
AFB I · ReproduzierenVon einer ganzrationalen Funktion $f$ dritten Grades mit $f(x) = a \cdot x^3 + b \cdot x^2 + c \cdot x + d$ ist bekannt: Der Graph verläuft durch den Punkt $P(0 \mid 1)$, er besitzt im Punkt $T(4 \mid -3)$ eine waagerechte Tangente, und an der Stelle $x = 2$ liegt ein Wendepunkt. Die Abbildung zeigt den Graphen mit diesen Angaben.
- Stellen Sie ein lineares Gleichungssystem für $a$, $b$, $c$ und $d$ auf.
- Lösen Sie das Gleichungssystem und geben Sie den Funktionsterm an.
- Führen Sie die Probe durch und entscheiden Sie, ob in $T$ ein Hoch- oder ein Tiefpunkt vorliegt.
- Bestimmen Sie die Koordinaten des Wendepunktes und eine Gleichung der Wendetangente.
Die Achterbahn ohne Knick
AFB II · Zusammenhänge herstellenDer erste Abfall einer Achterbahn wird für $0 \leq x \leq 26$ durch ein Profil aus drei Abschnitten beschrieben. Dabei ist $x$ die waagerechte Entfernung von der Kuppe und $h(x)$ die Höhe der Fahrbahn über dem Boden, beides in Metern. Für $0 \leq x \leq 10$ verläuft die Bahn geradlinig nach $g(x) = 20 - x$. Für $10 \leq x \leq 20$ folgt ein Übergangsbogen mit $p(x) = a \cdot x^2 + b \cdot x + c$. Ab $x = 20$ schließt sich die waagerechte Bremsstrecke in $5$ m Höhe an.
- Stellen Sie die drei Bedingungen auf, die den knickfreien Anschluss an die Gerade bei $x = 10$ und den waagerechten Anschluss bei $x = 20$ sichern, und berechnen Sie damit $a$, $b$ und $c$.
- Weisen Sie nach, dass der Übergangsbogen bei $x = 20$ genau die Höhe der Bremsstrecke erreicht.
- Berechnen Sie den Neigungswinkel der geraden Abfahrt gegen die Waagerechte und begründen Sie, dass die Bahn nirgends steiler fällt.
- Bestimmen Sie die Stelle, an der das Gefälle der Bahn noch $10\,\%$ beträgt.
Was der Ableitungsgraph verrät
AFB III · Reflektieren und BeurteilenBetrachtet wird dieselbe Achterbahn wie in Aufgabe 2, also $h(x) = 20 - x$ für $0 \leq x \leq 10$, dann $h(x) = 0{,}05 \cdot x^2 - 2 \cdot x + 25$ für $10 \leq x \leq 20$ und schließlich $h(x) = 5$ für $20 \leq x \leq 26$. Die Abbildung zeigt den Graphen der Ableitung $h'$.
- Beschreiben Sie anhand des Graphen von $h'$, wie sich die Steilheit der Bahn längs der Strecke ändert, und geben Sie an, wo die Bahn am steilsten fällt.
- Unter der Bahn soll ein waagerechter Wartungsweg auf Bodenhöhe hindurchführen. Die Fahrbahnkonstruktion ist $0{,}60$ m dick, darunter werden $4{,}50$ m lichte Höhe gebraucht. Untersuchen Sie, bis zu welcher Stelle das möglich ist.
- Beurteilen Sie, ob das Modell am linken Rand des Definitionsbereichs sinnvoll an die Bergfahrt anschließt, die die Wagen waagerecht über die Kuppe führt.
- Beurteilen Sie die Aussage: „Weil der Graph von $h'$ nirgends springt, verläuft die Bahn überall gleich sanft — an den Nahtstellen ist nichts zu spüren.“
Lösungen
1 · Gesucht per Steckbrief
a) Aus $f(x) = a \cdot x^3 + b \cdot x^2 + c \cdot x + d$ folgt $f'(x) = 3a \cdot x^2 + 2b \cdot x + c$ sowie $f''(x) = 6a \cdot x + 2b$. Die vier Angaben liefern vier Gleichungen: aus $f(0) = 1$ wird $d = 1$, aus $f(4) = -3$ wird $64a + 16b + 4c + d = -3$, aus $f'(4) = 0$ wird $48a + 8b + c = 0$, und aus $f''(2) = 0$ wird $12a + 2b = 0$.
b) Die vierte Gleichung gibt $b = -6a$. Damit wird die dritte zu $48a - 48a + c = 0$, also $c = 0$. Mit $d = 1$ bleibt von der zweiten Gleichung $64a - 96a + 1 = -3$, also $-32a = -4$ und $a = \frac{1}{8}$. Rückwärts folgt $b = -\frac{3}{4}$. Der gesuchte Funktionsterm lautet damit $f(x) = \frac{1}{8} \cdot x^3 - \frac{3}{4} \cdot x^2 + 1$, in Dezimalschreibweise $f(x) = 0{,}125 \cdot x^3 - 0{,}75 \cdot x^2 + 1$.
c) Probe: Es ist $f(0) = 1$, der Punkt $P$ liegt also auf dem Graphen. Weiter ist $f(4) = 8 - 12 + 1 = -3$, damit stimmt auch $T$. Aus $f'(x) = \frac{3}{8} \cdot x^2 - \frac{3}{2} \cdot x = \frac{3}{8} \cdot x \cdot (x - 4)$ folgt $f'(4) = 0$, die Tangente in $T$ ist also waagerecht, und aus $f''(x) = \frac{3}{4} \cdot x - \frac{3}{2}$ folgt $f''(2) = 0$. Wegen $f''(4) = \frac{3}{2} > 0$ ist $T$ ein Tiefpunkt. Nebenbei fällt auf: Auch $f'(0) = 0$, und wegen $f''(0) = -\frac{3}{2} < 0$ ist der gegebene Punkt $P$ der Hochpunkt $H(0 \mid 1)$.
d) Die Wendestelle ist $x = 2$; dort gilt $f(2) = 1 - 3 + 1 = -1$, also $W(2 \mid -1)$. Der Anstieg der Wendetangente ist $f'(2) = \frac{3}{2} - 3 = -\frac{3}{2}$. Aus $y = -\frac{3}{2} \cdot (x - 2) - 1$ folgt die Gleichung $y = -1{,}5 \cdot x + 2$.
„Wendepunkt an der Stelle $x = 2$“ liefert genau eine Gleichung, nämlich $f''(2) = 0$. Die zugehörige $y$-Koordinate ist nicht gegeben und darf nicht erfunden werden — wer daraus zwei Gleichungen macht, überbestimmt das System und rechnet sich in einen Widerspruch.
2 · Die Achterbahn ohne Knick
a) Knickfrei heißt an einer Nahtstelle: gleicher Funktionswert und gleicher Anstieg. Mit $g(10) = 10$ und $g'(x) = -1$ sind das die Bedingungen $p(10) = 10$ sowie $p'(10) = -1$; die Bremsstrecke ist waagerecht, also gilt außerdem $p'(20) = 0$. Mit $p'(x) = 2a \cdot x + b$ lautet das System $100a + 10b + c = 10$, $20a + b = -1$, $40a + b = 0$. Die Differenz der beiden letzten Gleichungen ergibt $20a = 1$, also $a = 0{,}05$, daraus $b = -2$ und aus der ersten Gleichung $c = 10 - 5 + 20 = 25$. Der Bogen lautet damit $p(x) = 0{,}05 \cdot x^2 - 2 \cdot x + 25$.
b) Es ist $p(20) = 0{,}05 \cdot 400 - 40 + 25 = 20 - 40 + 25 = 5$. Der Bogen endet also genau auf $5$ m, der Höhe der Bremsstrecke — der Übergang erfolgt ohne Stufe. Zusammen mit $p'(20) = 0$ geht die Bahn dort auch ohne Knick in die Waagerechte über.
c) Für die Gerade ist der Anstieg $m = -1$, also $\tan(\alpha) = 1$ und $\alpha = 45^\circ$; das entspricht $100\,\%$ Gefälle. Auf dem Bogen ist $p'(x) = 0{,}1 \cdot x - 2$ streng monoton wachsend, mit $p'(10) = -1$ und $p'(20) = 0$ gilt dort $-1 \leq p'(x) \leq 0$. Auf der Bremsstrecke ist der Anstieg $0$. Nirgends ist der Betrag des Anstiegs größer als $1$, die Bahn fällt also nirgends steiler als auf der geraden Abfahrt.
d) Ein Gefälle von $10\,\%$ bedeutet den Anstieg $-0{,}1$. Auf der Geraden ist der Anstieg konstant $-1$, auf der Bremsstrecke $0$ — die Stelle liegt also auf dem Bogen. Aus $0{,}1 \cdot x - 2 = -0{,}1$ folgt $x = 19$. Dort ist die Fahrbahn noch $p(19) = 18{,}05 - 38 + 25 = 5{,}05$ Meter hoch.
Knickfrei ist eine Bedingung an die Ableitung, stufenfrei eine an den Funktionswert. An jeder Nahtstelle sind das zwei Gleichungen, nicht eine: Wer nur die Höhen angleicht, baut eine Bahn mit Knick; wer nur die Anstiege angleicht, eine mit Stufe.
3 · Was der Ableitungsgraph verrät
a) Auf $[0; 10]$ ist $h'$ konstant $-1$: gleichmäßiges Gefälle, und weil der Betrag des Anstiegs hier am größten ist, fällt die Bahn auf diesem ganzen Abschnitt am steilsten, nämlich unter $45^\circ$. Auf $[10; 20]$ wächst $h'$ linear von $-1$ auf $0$; das Gefälle nimmt gleichmäßig ab, die Bahn wird also immer flacher. Auf $[20; 26]$ ist $h' = 0$, die Bahn verläuft waagerecht. Der Graph von $h'$ hat keine Sprungstelle — genau das ist die Knickfreiheit aus Aufgabe 2.
b) Gebraucht wird eine Fahrbahnhöhe von $4{,}50 + 0{,}60 = 5{,}10$ Metern, also $h(x) \geq 5{,}10$. Auf der Bremsstrecke ist $h(x) = 5$ und damit zu wenig. Auf dem Bogen führt $0{,}05 \cdot x^2 - 2 \cdot x + 25 = 5{,}10$ auf $x^2 - 40 \cdot x + 398 = 0$ mit $x_{1,2} = 20 \pm \sqrt{2}$; im Intervall liegt $x = 20 - \sqrt{2} \approx 18{,}59$. Da $h$ monoton fällt, gilt $h(x) \geq 5{,}10$ genau für $x \leq 18{,}59$. Der Weg passt also nur bis etwa $18{,}6$ Meter hindurch; unter der Bremsstrecke fehlen 10 Zentimeter.
c) Am linken Rand hat das Modell den Anstieg $h'(0) = -1$, die Bergfahrt über die Kuppe dagegen den Anstieg $0$. An der Stelle $x = 0$ träfen also zwei Abschnitte mit verschiedenen Anstiegen aufeinander — genau der Knick, den das Modell im Inneren so sorgfältig vermeidet. Als Beschreibung der Kuppe taugt es deshalb nicht; sinnvoll wird es erst, wenn vor $x = 0$ ein weiterer Übergangsbogen eingefügt wird. Am rechten Rand ist es harmloser: Dort endet die Bremsstrecke, das Modell macht über $x = 26$ hinaus einfach keine Aussage mehr.
d) Die Aussage ist falsch. Dass $h'$ stetig ist, sichert nur, dass die Bahn keinen Knick hat. Die zweite Ableitung springt jedoch: Auf der Geraden ist $h'' = 0$, auf dem Bogen $h'' = 0{,}1$ und auf der Bremsstrecke wieder $h'' = 0$. Mit der Krümmung springt auch die Beschleunigung, die die Fahrgäste in die Sitze drückt — an beiden Nahtstellen unvermittelt von null auf einen festen Wert. Das ist als Ruck deutlich spürbar. Im Straßen- und Bahnbau nimmt man deshalb Übergangsbögen mit stetig wachsender Krümmung, etwa Klothoiden, statt einer Parabel.
Knickfrei ist nicht ruckfrei. Der Anschluss ohne Knick macht nur $h'$ stetig; ruckfrei wäre der Übergang erst, wenn auch $h''$ stetig ist. Am Graphen von $h'$ sieht man es sofort: Er ist an den Nahtstellen selbst geknickt.