Abitur-Training: Ganzrationale Funktionenscharen
Eine Schar, die mit t auseinanderläuft
AFB I · ReproduzierenFür jedes $t > 0$ ist die in $\mathbb{R}$ definierte Funktion $f_t$ mit $f_t(x) = x^3 - 3 \cdot t^2 \cdot x$ gegeben; ihren Graphen bezeichnen wir mit $G_t$. Die Abbildung zeigt die Graphen zu $t = 1$, zu $t = 1{,}5$ und zu $t = 2$.
- Berechnen Sie die Nullstellen von $f_t$ in Abhängigkeit von $t$.
- Weisen Sie nach, dass jeder Graph $G_t$ punktsymmetrisch zum Koordinatenursprung ist.
- Bestimmen Sie in Abhängigkeit von $t$ die Koordinaten des Hochpunktes $H_t$ und des Tiefpunktes $T_t$.
- Zeigen Sie, dass jeder Graph genau einen Wendepunkt besitzt, und geben Sie das Intervall an, in dem $f_t$ monoton fallend ist.
Wohin die Gipfel wandern
AFB II · Zusammenhänge herstellenWeiterhin sei $f_t(x) = x^3 - 3 \cdot t^2 \cdot x$ mit $t > 0$. Die Abbildung zeigt die drei Scharkurven blass gezeichnet, dazu alle sechs Extrempunkte. Man erkennt, dass diese Punkte nicht beliebig verstreut liegen.
- Bestimmen Sie eine Gleichung der Ortskurve, auf der alle Hochpunkte $H_t$ und alle Tiefpunkte $T_t$ liegen, und geben Sie an, welche Teile dieser Kurve dabei durchlaufen werden.
- Weisen Sie nach, dass alle Graphen der Schar genau einen Punkt gemeinsam haben.
- Bestimmen Sie denjenigen Wert von $t$, für den $G_t$ an der Stelle $x_0 = 1$ eine Tangente mit dem Anstieg $-9$ besitzt, und geben Sie eine Gleichung dieser Tangente an.
- Zeigen Sie, dass die Gerade durch $H_t$ und $T_t$ für jedes $t$ durch den Ursprung verläuft, und vergleichen Sie ihren Anstieg mit dem Anstieg der Wendetangente.
Die Fläche wächst schneller als gedacht
AFB III · Reflektieren und BeurteilenFür jedes $t > 0$ schließt der Graph $G_t$ von $f_t$ mit $f_t(x) = x^3 - 3 \cdot t^2 \cdot x$ zusammen mit der $x$-Achse zwei Flächenstücke ein: eines links, eines rechts vom Ursprung. Ihr Gesamtinhalt wird mit $A(t)$ bezeichnet und in Flächeneinheiten (FE) angegeben. Die Abbildung zeigt beide Flächenstücke für $t = 1$ und für $t = 2$ im gleichen Maßstab.
- Geben Sie die Integrationsgrenzen an und begründen Sie, dass die beiden Flächenstücke inhaltsgleich sind.
- Berechnen Sie $A(t)$ in Abhängigkeit von $t$.
- Bestimmen Sie denjenigen Wert von $t$, für den $A(t) = 72$ FE gilt.
- Beurteilen Sie die Aussage: „Verdoppelt man $t$, so verdoppelt sich der Flächeninhalt.“
Lösungen
1 · Eine Schar, die mit t auseinanderläuft
a) Ausklammern statt Formel: $f_t(x) = x \cdot \left(x^2 - 3 \cdot t^2\right)$. Ein Produkt ist genau dann null, wenn ein Faktor null ist. Der erste Faktor liefert $x_1 = 0$, der zweite $x^2 = 3 \cdot t^2$ und damit $x_{2,3} = \pm\sqrt{3 \cdot t^2} = \pm\sqrt{3} \cdot t$; die Wurzel darf hier ohne Betrag gezogen werden, weil $t$ nach Voraussetzung positiv ist. Jede Scharkurve hat also drei einfache Nullstellen, und die beiden äußeren wandern proportional zu $t$ nach außen. Für $t = 2$ sind das etwa $\pm 3{,}46$ sowie die Null.
b) In $f_t$ kommen nur ungerade Potenzen von $x$ vor. Also ist $f_t(-x) = (-x)^3 - 3 \cdot t^2 \cdot (-x) = -x^3 + 3 \cdot t^2 \cdot x = -f_t(x)$ für jedes $x$ und jedes $t$. Genau das ist die Bedingung für Punktsymmetrie zum Ursprung: Zu jedem Punkt $(x \mid y)$ des Graphen gehört auch $(-x \mid -y)$ dazu.
c) Es ist $f_t'(x) = 3 \cdot x^2 - 3 \cdot t^2 = 3 \cdot (x - t) \cdot (x + t)$, also $f_t'(x) = 0$ genau für $x = -t$ und $x = t$. Die zweite Ableitung ist $f_t''(x) = 6 \cdot x$. Wegen $t > 0$ gilt $f_t''(-t) = -6 \cdot t < 0$ und $f_t''(t) = 6 \cdot t > 0$. Die Funktionswerte sind $f_t(-t) = -t^3 + 3 \cdot t^3 = 2 \cdot t^3$ und ebenso $f_t(t) = -2 \cdot t^3$. Damit ist $H_t\left(-t \mid 2 \cdot t^3\right)$ der Hochpunkt und $T_t\left(t \mid -2 \cdot t^3\right)$ der Tiefpunkt.
d) Aus $f_t''(x) = 6 \cdot x = 0$ folgt allein $x = 0$; eine lineare Funktion hat höchstens eine Nullstelle, mehr Kandidaten gibt es also nicht. Dort wechselt $f_t''$ das Vorzeichen von minus nach plus, denn $f_t'''(x) = 6 \neq 0$. Jeder Graph besitzt somit genau einen Wendepunkt, und zwar $W(0 \mid 0)$ — für jedes $t$ denselben. Zwischen den beiden Extremstellen ist $f_t'(x) < 0$, folglich fällt $f_t$ monoton im Intervall $-t \leq x \leq t$.
Beim Ableiten ist $t$ eine feste Zahl und $x$ die Variable: Der Term $3 \cdot t^2 \cdot x$ hat die Ableitung $3 \cdot t^2$, nicht $6 \cdot t$. Und wer nur die gezeichnete Kurve zu $t = 2$ untersucht, hat über die Schar nichts gezeigt — verlangt sind Aussagen, die für jedes $t > 0$ gelten.
2 · Wohin die Gipfel wandern
a) Der Hochpunkt hat die Koordinaten $x = -t$ und $y = 2 \cdot t^3$. Aus der ersten Gleichung folgt $t = -x$; eingesetzt in die zweite ergibt das $y = 2 \cdot (-x)^3 = -2 \cdot x^3$. Für den Tiefpunkt ist $x = t$, also $t = x$ und damit $y = -2 \cdot x^3$ — dieselbe Gleichung. Alle sechs Punkte der Abbildung und überhaupt alle Extrempunkte der Schar liegen also auf der Kurve mit der Gleichung $y = -2 \cdot x^3$. Weil $t$ alle positiven Zahlen durchläuft, liefern die Hochpunkte genau den Ast mit $x < 0$ und die Tiefpunkte genau den Ast mit $x > 0$; der Ursprung selbst gehört nicht dazu, denn $t = 0$ ist ausgeschlossen.
b) Ein gemeinsamer Punkt muss für zwei verschiedene Parameter $t_1 \neq t_2$ denselben Funktionswert haben. Aus $f_{t_1}(x) = f_{t_2}(x)$ folgt $x^3 - 3 \cdot t_1^2 \cdot x = x^3 - 3 \cdot t_2^2 \cdot x$, nach Kürzen von $x^3$ also $3 \cdot x \cdot \left(t_2^2 - t_1^2\right) = 0$. Da beide Parameter positiv und verschieden sind, ist $t_2^2 - t_1^2 \neq 0$, und es bleibt nur $x = 0$. Wegen $f_t(0) = 0$ für jedes $t$ ist der Koordinatenursprung $O(0 \mid 0)$ tatsächlich gemeinsamer Punkt — und zwar der einzige. Nach Aufgabe 1 ist er zugleich der gemeinsame Wendepunkt aller Scharkurven.
c) Der Anstieg an der Stelle $x_0 = 1$ ist $f_t'(1) = 3 \cdot 1^2 - 3 \cdot t^2 = 3 - 3 \cdot t^2$. Die Forderung $3 - 3 \cdot t^2 = -9$ führt auf $t^2 = 4$, wegen $t > 0$ also auf $\mathbf{t = 2}$. Der Berührpunkt ist $f_2(1) = 1 - 12 = -11$, also $P(1 \mid -11)$. Mit der Punkt-Anstiegs-Form folgt $y = -9 \cdot (x - 1) - 11$ und ausmultipliziert $y = -9 \cdot x - 2$.
d) Die beiden Extrempunkte sind $H_t(-t \mid 2 t^3)$ und $T_t(t \mid -2 t^3)$; ihr Mittelpunkt ist $\left(\frac{-t + t}{2} \mid \frac{2 t^3 - 2 t^3}{2}\right) = (0 \mid 0)$, also liegt der Ursprung auf der Verbindungsgeraden. Deren Anstieg ist $m = \frac{-2 t^3 - 2 t^3}{t - (-t)} = \frac{-4 t^3}{2 t} = -2 \cdot t^2$, die Gerade hat somit die Gleichung $y = -2 \cdot t^2 \cdot x$. Die Wendetangente berührt im Ursprung und hat den Anstieg $f_t'(0) = -3 \cdot t^2$, also die Gleichung $y = -3 \cdot t^2 \cdot x$. Beide Geraden gehen durch den Ursprung, aber die Wendetangente ist steiler: Das Verhältnis der Anstiege beträgt $\frac{-2 t^2}{-3 t^2} = \frac{2}{3}$ — unabhängig von $t$.
Eine Ortskurve entsteht durch Eliminieren des Parameters, nicht durch Verbinden der drei gezeichneten Punkte. Und $y = -2 \cdot x^3$ gehört nicht selbst zur Schar: Es gibt kein $t$ mit $f_t(x) = -2 \cdot x^3$, die Ortskurve ist eine Kurve über der Schar, keine Kurve in ihr.
3 · Die Fläche wächst schneller als gedacht
a) Die Nullstellen aus Aufgabe 1 sind $-\sqrt{3} \cdot t$, dann $0$ und schließlich $\sqrt{3} \cdot t$; sie sind die Grenzen der beiden Flächenstücke. Zwischen $-\sqrt{3} \cdot t$ und $0$ verläuft der Graph oberhalb der Achse — etwa ist $f_t(-t) = 2 \cdot t^3 > 0$ —, zwischen $0$ und $\sqrt{3} \cdot t$ unterhalb, denn $f_t(t) = -2 \cdot t^3 < 0$. Nach Aufgabe 1 ist $G_t$ punktsymmetrisch zum Ursprung; die Punktspiegelung an $O$ bildet das linke Flächenstück genau auf das rechte ab. Beide sind deshalb inhaltsgleich, und es genügt, eines zu berechnen und zu verdoppeln.
b) Eine Stammfunktion ist $F_t(x) = \frac{1}{4} \cdot x^4 - \frac{3}{2} \cdot t^2 \cdot x^2$. Für das rechte Stück braucht man die Zwischenwerte $\left(\sqrt{3} \cdot t\right)^2 = 3 \cdot t^2$ und $\left(\sqrt{3} \cdot t\right)^4 = 9 \cdot t^4$. Damit ist $F_t\!\left(\sqrt{3} \cdot t\right) = \frac{9}{4} \cdot t^4 - \frac{3}{2} \cdot t^2 \cdot 3 \cdot t^2 = \frac{9}{4} \cdot t^4 - \frac{9}{2} \cdot t^4 = -\frac{9}{4} \cdot t^4$, und wegen $F_t(0) = 0$ folgt $\int_{0}^{\sqrt{3} t} f_t(x)\,dx = -\frac{9}{4} \cdot t^4$. Der Betrag davon ist der Inhalt eines Stückes, und mit dem Faktor $2$ aus Teil a) ergibt sich $A(t) = 2 \cdot \frac{9}{4} \cdot t^4 = \frac{9}{2} \cdot t^4 = 4{,}5 \cdot t^4$.
c) Aus $\frac{9}{2} \cdot t^4 = 72$ folgt $t^4 = 16$ und damit $t = \pm 2$. Wegen $t > 0$ bleibt nur $\mathbf{t = 2}$. Probe: $A(2) = 4{,}5 \cdot 16 = 72$. Das ist gerade die Kurve zu $t = 2$ aus den Abbildungen; ihre Nullstellen liegen bei $0$ und bei rund $\pm 3{,}46$.
d) Die Aussage ist falsch. Setzt man $2 \cdot t$ ein, so ist $A(2 \cdot t) = \frac{9}{2} \cdot (2 t)^4 = \frac{9}{2} \cdot 16 \cdot t^4 = 16 \cdot A(t)$: Der Inhalt wird sechzehnmal so groß, nicht doppelt so groß. Das Zahlenbeispiel bestätigt es, denn $A(1) = 4{,}5$ und $A(2) = 72$, und $72 = 16 \cdot 4{,}5$. Anschaulich liegt es daran, dass sich beim Verdoppeln von $t$ zwei Größen ändern: Die Nullstellen $\pm\sqrt{3} \cdot t$ rücken doppelt so weit auseinander, die Extremwerte $\pm 2 \cdot t^3$ werden aber achtmal so groß. Doppelte Breite mal achtfache Höhe ergibt den Faktor $2 \cdot 8 = 16$. Verdoppeln würde sich der Inhalt erst, wenn man $t$ mit $\sqrt[4]{2} \approx 1{,}19$ multipliziert.
Wer in einem Zug von $-\sqrt{3} \cdot t$ bis $\sqrt{3} \cdot t$ integriert, erhält wegen der Punktsymmetrie den Wert $0$ — die beiden Flächenstücke heben einander im Integral auf. Ein Flächeninhalt entsteht erst, wenn an jeder Nullstelle geteilt und der Betrag genommen wird.