Abitur-Training: Stochastik — Leistungskurs
Endkontrolle in der Leuchtenfertigung
AFB I · ReproduzierenEin Betrieb fertigt Akku-Handleuchten. Jede Leuchte durchläuft nacheinander drei Prüfungen: die Maßprüfung (Ereignis $M$: Maß in Ordnung), die Dichtheitsprüfung (Ereignis $D$) und die Funktionsprüfung (Ereignis $F$). Erfahrungsgemäß werden $4\ \%$ der Leuchten bei der Maßprüfung, $5\ \%$ bei der Dichtheitsprüfung und $10\ \%$ bei der Funktionsprüfung beanstandet. Die drei Prüfungen sind voneinander unabhängig; jede Leuchte durchläuft alle drei.
- Berechnen Sie die Wahrscheinlichkeit dafür, dass eine zufällig ausgewählte Leuchte alle drei Prüfungen besteht.
- Bestimmen Sie die Wahrscheinlichkeit dafür, dass eine Leuchte bei genau einer der drei Prüfungen beanstandet wird.
- Berechnen Sie die Wahrscheinlichkeit dafür, dass eine Leuchte mindestens eine Beanstandung erhält.
- Täglich werden $2500$ Leuchten gefertigt. Geben Sie an, wie viele davon im Mittel einwandfrei sind und wie viele mindestens eine Beanstandung erhalten.
Woher stammt die Zelle?
AFB II · Zusammenhänge herstellenDie Akkuzellen für die Leuchten kommen von zwei Zulieferern: $70\ \%$ der Zellen liefert Zulieferer 1 (Ereignis $Z_1$), $30\ \%$ Zulieferer 2 (Ereignis $Z_2$). Von den Zellen des ersten Zulieferers sind $2\ \%$ schadhaft (Ereignis $S$). Insgesamt sind $3{,}2\ \%$ aller gelieferten Zellen schadhaft.
- Bestimmen Sie den Anteil der schadhaften Zellen bei Zulieferer 2.
- Eine zufällig entnommene Zelle ist nicht schadhaft. Berechnen Sie die Wahrscheinlichkeit dafür, dass sie von Zulieferer 1 stammt.
- Aus einer großen Lieferung werden $40$ Zellen zufällig entnommen; die Zufallsgröße $X$ zählt die Zellen von Zulieferer 2. Bestimmen Sie die Wahrscheinlichkeit dafür, dass $X$ um höchstens eine halbe Standardabweichung vom Erwartungswert abweicht.
- Ermitteln Sie, wie viele Zellen mindestens geprüft werden müssen, damit mit einer Wahrscheinlichkeit von mindestens $99\ \%$ wenigstens eine schadhafte Zelle darunter ist.
Hält der Akku, was die Werbung verspricht?
AFB III · Reflektieren und BeurteilenDer Betrieb wirbt damit, dass mindestens $85\ \%$ der Akkus nach $500$ Ladezyklen noch mindestens $80\ \%$ ihrer Anfangskapazität haben. Ein Prüflabor testet $200$ zufällig ausgewählte Akkus; $163$ davon erfüllen die Bedingung. Die Werbeaussage soll mit einem Signifikanztest auf dem Signifikanzniveau $\alpha = 5\ \%$ überprüft werden. Die Zufallsgröße $X$ zählt die Akkus in der Stichprobe, die die Bedingung erfüllen.
- Geben Sie Null- und Gegenhypothese an, begründen Sie die Testrichtung und berechnen Sie Erwartungswert und Standardabweichung von $X$ unter $H_0$.
- Bestimmen Sie den Ablehnungsbereich der Nullhypothese und geben Sie die tatsächliche Wahrscheinlichkeit für einen Fehler 1. Art an.
- Entscheiden Sie anhand der Stichprobe und formulieren Sie eine Empfehlung für das Prüflabor.
- Nehmen Sie an, in Wahrheit erfüllen nur $80\ \%$ der Akkus die Bedingung. Berechnen Sie die Wahrscheinlichkeit für einen Fehler 2. Art und deuten Sie das Ergebnis.
Lösungen
1 · Endkontrolle in der Leuchtenfertigung
a) Ein Pfad im Baumdiagramm wird durchmultipliziert (Pfadmultiplikationsregel): $P(M \cap D \cap F) = 0{,}96 \cdot 0{,}95 \cdot 0{,}90 = 0{,}8208$, also rund $82{,}1\ \%$.
b) Genau eine Beanstandung heißt: genau einer der drei Faktoren ist der Fehleranteil. Die drei Pfade werden addiert (Pfadadditionsregel): $0{,}04 \cdot 0{,}95 \cdot 0{,}90 + 0{,}96 \cdot 0{,}05 \cdot 0{,}90 + 0{,}96 \cdot 0{,}95 \cdot 0{,}10 = 0{,}0342 + 0{,}0432 + 0{,}0912 = 0{,}1686$, also rund $16{,}9\ \%$.
c) Über das Gegenereignis „keine Beanstandung“: $P(\text{mindestens eine}) = 1 - 0{,}8208 = 0{,}1792$, also rund $17{,}9\ \%$. Der Unterschied zu b) sind die Leuchten mit zwei oder drei Beanstandungen: $0{,}1792 - 0{,}1686 = 0{,}0106$.
d) Erwartungswerte bei $2500$ Leuchten: $2500 \cdot 0{,}8208 = 2052$ einwandfreie Leuchten und $2500 \cdot 0{,}1792 = 448$ Leuchten mit mindestens einer Beanstandung. Zusammen sind das wieder $2500$.
„Genau eine Beanstandung“ und „mindestens eine Beanstandung“ sind zwei verschiedene Ereignisse. Für „mindestens“ lohnt fast immer das Gegenereignis, für „genau“ muss man die Pfade wirklich einzeln aufschreiben und addieren.
2 · Woher stammt die Zelle?
a) Der Gesamtanteil setzt sich aus beiden Zulieferern zusammen: $P(S) = P(Z_1) \cdot P_{Z_1}(S) + P(Z_2) \cdot P_{Z_2}(S)$, also $0{,}032 = 0{,}70 \cdot 0{,}02 + 0{,}30 \cdot x = 0{,}014 + 0{,}30x$. Daraus folgt $0{,}30x = 0{,}018$ und $x = 0{,}06$: bei Zulieferer 2 sind $6\ \%$ der Zellen schadhaft, dreimal so viele wie bei Zulieferer 1.
b) Gesucht ist die bedingte Wahrscheinlichkeit $P_{\overline{S}}(Z_1)$. Es ist $P(Z_1 \cap \overline{S}) = 0{,}70 \cdot 0{,}98 = 0{,}686$ und $P(\overline{S}) = 1 - 0{,}032 = 0{,}968$, also $P_{\overline{S}}(Z_1) = \dfrac{0{,}686}{0{,}968} \approx 0{,}7087$, rund $70{,}9\ \%$. Eine einwandfreie Zelle stammt also etwas häufiger von Zulieferer 1, als es dessen Lieferanteil von $70\ \%$ erwarten lässt.
c) Weil die Lieferung groß ist, darf $X$ als binomialverteilt mit $n = 40$ und $p = 0{,}30$ angesehen werden: $E(X) = 12$ und $\sigma = \sqrt{40 \cdot 0{,}30 \cdot 0{,}70} = \sqrt{8{,}4} \approx 2{,}898$. Eine halbe Standardabweichung sind $1{,}449$, gesucht ist also $P(10{,}55 \leq X \leq 13{,}45) = P(11 \leq X \leq 13) = P(X{=}11) + P(X{=}12) + P(X{=}13) \approx 0{,}3945$, rund $39{,}5\ \%$.
d) Jede Zelle ist unabhängig von den anderen mit $p = 0{,}032$ schadhaft. Gesucht ist das kleinste $n$ mit $1 - 0{,}968^{\,n} \geq 0{,}99$, also $0{,}968^{\,n} \leq 0{,}01$. Logarithmieren liefert $n \geq \dfrac{\ln 0{,}01}{\ln 0{,}968} \approx 141{,}6$, also müssen 142 Zellen geprüft werden. Zur Probe: $1 - 0{,}968^{141} \approx 0{,}9898$ reicht noch nicht, $1 - 0{,}968^{142} \approx 0{,}9901$ reicht.
In b) wird die Frage umgedreht: gegeben ist die Wirkung (Zelle in Ordnung), gesucht ist die Ursache (Zulieferer). $P_{\overline{S}}(Z_1) \approx 0{,}709$ und $P_{Z_1}(\overline{S}) = 0{,}98$ sind völlig verschiedene Zahlen. Zum Vergleich: eine schadhafte Zelle stammt mit $\dfrac{0{,}018}{0{,}032} = 0{,}5625$ von Zulieferer 2, obwohl er nur $30\ \%$ liefert.
3 · Hält der Akku, was die Werbung verspricht?
a) $H_0$: $p \geq 0{,}85$ (die Werbeaussage stimmt), $H_1$: $p < 0{,}85$. Zweifel entstehen nur bei zu wenigen haltbaren Akkus, deshalb wird linksseitig getestet. Gerechnet wird mit dem Randwert $p = 0{,}85$: $X$ ist binomialverteilt mit $n = 200$ und $p = 0{,}85$, also $E(X) = 170$ und $\sigma = \sqrt{200 \cdot 0{,}85 \cdot 0{,}15} = \sqrt{25{,}5} \approx 5{,}05$.
b) Gesucht ist das größte $k$ mit $P(X \leq k) \leq 0{,}05$. Es ist $P(X \leq 161) \approx 0{,}0498$ und $P(X \leq 162) \approx 0{,}0720$. Also ist $\overline{A} = \{0;\,1;\,\dots;\,161\}$ der Ablehnungsbereich und $A = \{162;\,\dots;\,200\}$ der Annahmebereich. Die tatsächliche Wahrscheinlichkeit für einen Fehler 1. Art ist $0{,}0498$, also rund $4{,}98\ \%$ — knapp unter dem Niveau von $5\ \%$.
c) Der beobachtete Wert $163$ liegt im Annahmebereich. $H_0$ wird nicht verworfen: Die Stichprobe widerspricht der Werbeaussage auf dem Niveau von $5\ \%$ nicht, obwohl der Stichprobenanteil mit $\frac{163}{200} = 0{,}815$ unter $0{,}85$ liegt. Empfehlung: Die Aussage darf stehen bleiben, ein Beweis für sie ist das Ergebnis aber nicht — für eine belastbare Aussage müsste das Labor mehr Akkus prüfen.
d) Fehler 2. Art heißt: $H_0$ wird beibehalten, obwohl sie falsch ist. Bei $p = 0{,}80$ ist $E(X) = 160$ und $\sigma = \sqrt{32} \approx 5{,}66$; gesucht ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Stichprobe trotzdem im Annahmebereich landet: $\beta = P(X \geq 162 \mid p = 0{,}80) = 1 - P(X \leq 161 \mid p = 0{,}80) \approx 0{,}4019$, also rund $40{,}2\ \%$. In gut zwei von fünf Fällen bliebe eine Verschlechterung auf $80\ \%$ also unentdeckt — der Test ist bei $n = 200$ wenig trennscharf.
„$H_0$ nicht verworfen“ heißt nicht „$H_0$ bewiesen“. Der Fehler 2. Art wird unter der angenommenen wahren Wahrscheinlichkeit gerechnet, hier $p = 0{,}80$, und über den Annahmebereich — nicht über den Ablehnungsbereich und nicht mit $p = 0{,}85$.